Polizeischutz nur aus dem fernen Potsdam Kleinmachnower haben Angst, dass demnächst die Wache im nahen Teltow geschlossen wird
Potsdam - Die Einbrecher hatten leichtes Spiel. Sie mussten nur die Jalousie nach oben schieben. Die Hausbesitzer am Schleusenweg in Kleinmachnow hatten das Fenster offen gelassen. Die ungebetenen Gäste schnappten sich Bargeld, Ausweis und EC-Karte der Hausbesitzer - und verschwanden so leise wie sie gekommen waren. Bei offenem Fenster zu schlafen, ist trotz der derzeit unerträglichen Hitze gerade in sogenannten "besseren Gegenden" nicht anzuraten. Im brandenburgischen Kleinmachnow an der Stadtgrenze zu Zehlendorf erhoffen sich die Diebe in der Regel reiche Beute. Vor allem Wohnungseinbrüche und Autodiebstähle machen den Bewohnern der 19 500-Einwohner-Gemeinde zu schaffen. Groß ist deshalb die Sorge, dass Brandenburgs Innenminister Rainer Speer (SPD) im Zuge der Polizeireform die nahe gelegene Polizeiwache in Teltow schließen lässt.
Vorige Woche kündigte der Minister an, dass es bald nur noch in höchstens 20 Brandenburger Städten eine Wache geben soll, die rund um die Uhr besetzt ist. In jedem Schutzbereich nur noch eine. Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) fürchtet seither wie seine Amtskollegen in Teltow und Stahnsdorf, dass die Kommunen künftig von Potsdam aus betreut werden. Die Bürgermeister wollen mit allen Mitteln dagegen kämpfen. "Der Staat muss die innere Sicherheit gewährleisten", sagt Grubert. "Bei uns gibt es sehr viele wohlhabende Bürger, die sich bereits jetzt einen privaten Wachschutz leisten". Es könne nicht sein, dass künftig nur noch der sicher lebt, der den Schutz bezahlen kann. "Wir wollen hier doch keine argentinischen Verhältnisse", sagt der SPD-Mann.
Im vergangenen Jahr wurden aus dem Wachenbereich Teltow 237 Wohnungseinbrüche gemeldet - fast alle in Kleinmachnow und Teltow. Es wurden 128 Autos gestohlen, die meisten in Kleinmachnow. Die Kfz-Diebstähle haben sich im Vergleich zu 2008 fast verdoppelt. Vorige Woche verschwand ein VW Multivan, den sein Besitzer auf der Haeckelstraße abgestellt hatte. Selbst die Tanzschule wurde von Dieben heimgesucht.
"Unsere Polizeiwache im angrenzenden Teltow ist auch für das Sicherheitsgefühl der Bürger sehr wichtig", sagt Bürgermeister Grubert. Er befürchtet, dass die Polizei vom 15 Kilometer entfernten Potsdam aus künftig länger brauchen würde, um am Einsatzort zu sein. Beteuerungen von Innenminister Speer, es werde sich auch nach der Schließung von Wachen nichts ändern, glaubt er nicht. Speer zufolge werden auch künftig genügend Streifenwagen unterwegs sein. Für Grubert steht eins fest: "Ich möchte keine Bürgerwehr in meiner Gemeinde".
Eine Vorstufe dazu gibt es schon. Seit zwölf Jahren kümmern sich sogenannte Sicherheitspartner um den Schutz der Nachbarn. So wie der 66-jährige Jürgen Glindemann. Der frühere technische Leiter im Ernährungs-Forschungsinstitut in Bergholz-Rehbrücke ist von Anfang an dabei. An seinem Haus ist ein Schild angebracht: "Achtung! Aufmerksamer Nachbar". Der Rentner wird wie seine neun "Kollegen" von der Polizei regelmäßig geschult, gibt Sicherheitstipps und zuweilen auch die aktuelle Lage weiter. Zurzeit werden aus den Autos massenweise die Navigationsgeräte geklaut. Auf seinen Spaziergängen hält er die Augen stets offen. Auch Glindemann warnt vor der Schließung der Wache. "Wir haben intensive Kontakte, zum Revierpolizisten bis zum Wachenleiter", sagt er.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Ludwig Burkardt will sich nicht vorstellen, dass in den Berlin nahen Gemeinden mit erhöhter Kriminalitätsbelastung keine Wache mehr rund um die Uhr besetzt ist. "Die Wachen müssen in den Mittelzentren bleiben", fordert der Kleinmachnower. Er ist selbst Opfer eines Einbruchs geworden. Diebe haben Familienschmuck und Laptops aus seinem Haus gestohlen.
Jörg Schönbohm kritisiert Pläne
In Kleinmachnow wohnt auch Brandenburgs ehemaliger Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Er wirft der rotroten Landesregierung in Potsdam vor, "Sicherheitspolitik nach Kassenlage zu machen". Es sei nicht vertretbar, "wenn sich der Staat aus seinen Kernaufgaben zurückzieht und die rot-rote Regierungskoalition stattdessen Geld für neue fragwürdige Projekte ausgibt". Ein Beispiel sei die Einführung eines Schüler-Bafögs.
Vor allem die Linke hat für Schönbohm an Glaubwürdigkeit verloren. In den zehn Jahren seiner Amtszeit bis Herbst 2009 hatte sie Personalkürzungen bei der Polizei stets kategorisch abgelehnt. Nun sollen in den nächsten Jahren 1900 der noch 7000 Stellen eingespart werden. |